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Neue Kunden finden: Branchen, auf die niemand schaut
Neue Kunden finden als Freelancer: über Fachzeitschriften, Messe-Seiten und eine persönliche Mail mit Loom-Video statt Kaltakquise. Lies, wie es geht.

Neue Kunden findest du als Freelancer*in am leichtesten in Branchen, auf die im Marketing kaum jemand schaut. Du entdeckst sie über Fachzeitschriften, Bücher und die Websites von Messen. Dann schreibst du einzelnen Firmen eine persönliche Mail mit einem kurzen Loom-Video. Das ersetzt Kaltakquise und fällt auf, weil dort sonst kaum jemand anklopft.
🎙️ Das ganze Gespräch hörst du in unserem Podcast: Freelancers Mind
Dieses Jahr war ich geschäftlich in Hamburg. Abends bin ich in der Nähe der Reeperbahn spazieren gegangen. In der Dämmerung bin ich vor einem Schaufenster stehen geblieben. Draußen stand Bestattungen dran. Drinnen sah es aus wie in einer kleinen Design-Agentur, mit Spanholz, selbstgebauten Möbeln und ein bisschen 70er-Jahre-Stil.
Dieses Unternehmen geht ganz anders an das Thema ran. Es wirkt viel gefühlvoller und wärmer, ganz ohne Lotusblumen und Orchideen. Mit diesem Gefühl bin ich in die Recherche für einen Magazin-Artikel gestartet. Dabei bin ich auf einen Artikel in der Zeit gestoßen. Er handelte von einer neuen Art der Bestattung, die man aktuell nur bei Tieren ausprobieren darf. Konkret ging es um Pferdebestattungen.
Allein, dass es dafür einen Markt gibt, hat mich neugierig gemacht. Also habe ich mir Websites, Flyer, Poster und Werbeartikel aus der Tierbestattung angeschaut. Und ich bin ganz ehrlich: Ich war ziemlich enttäuscht.
Warum lohnen sich Branchen, auf die niemand schaut?
Weil es dort echten Bedarf gibt und kaum jemand etwas verbessern will. In der Tierbestattung habe ich unglaublich hässliche Websites gefunden. Dazu Texte, die jede KI besser geschrieben hätte. Es gibt Plastikgrabsteine, Lasergravuren der eigenen Katze fürs Wohnzimmer und Diashows, die aussehen wie mit dem Windows Movie Maker gebaut.
Das Dumme ist: Diese Branche arbeitet mit Emotionen. Sie muss Menschen in ihren dunkelsten Momenten an die Hand nehmen. Für viele sind Tiere wie Familienmitglieder. Gibt es keinen Anbieter für eine schöne Zeremonie, vergraben viele ihr Tier lieber im Garten. Genau da kommst du als Designer*in ins Spiel.
Damit meine ich nicht, dass du jetzt alle Tierbestatter anschreiben sollst. Die Tierbestattung ist nur ein Beispiel. Es gibt viele Branchen mit großem Potenzial, in denen gerade niemand etwas verbessern will. Viele springen lieber auf den Zug auf, Unternehmen mit KI auszustatten. An diesen Anzeichen erkennst du so eine Branche:
Anzeichen | Woran du es erkennst |
|---|---|
Schwache Websites | veraltetes Design, kaum Infos, unübersichtlich |
Schwache Texte | steif, austauschbar, ohne Gefühl für die Zielgruppe |
Altmodische Werbemittel | Plastik, Orchideen, Vorlagen von vor zwanzig Jahren |
Wenig Aufmerksamkeit online | kaum Reichweite auf Social Media, trotzdem echter Bedarf |
Warum übersiehst du diese Branchen im Alltag?
Weil Instagram und TikTok dir jeden Tag dieselben Geschichten erzählen. Ich habe manchmal das Gefühl, alle Kunden sind schon bedient. Alle Websites sind geschrieben und alle Fotoshootings schon zwanzigmal gemacht. Beim Doomscrolling wirst du auf einem Auge blind.
Und zwar auf dem Auge, das uns als Selbstständige mal angetrieben hat: etwas besser zu machen als das, was es schon gibt. Mir geht es selbst so. Ich mache Instagram professionell und muss mich trotzdem bremsen. Ohne Recherche wäre ich nie auf die Tierbestattung gekommen.
Bei mir war genau dieser Gedanke damals der Grund für die Selbstständigkeit. Ich habe Design studiert, bringe Marketing-Erfahrung mit und habe eine UX-Ausbildung gemacht. Ich dachte mir: Da draußen gibt es bestimmt Potenzial, bei dem ich Leuten helfen kann.
Wie findest du neue Branchen über Zeitschriften und Bücher?
Recherche ist eine Fähigkeit, die viele unterschätzen. Damit meine ich nicht ein paar Prompts in einer KI. Ich meine echtes Stöbern. Geh in einen Zeitschriftenladen und nimm Hefte in die Hand, die du sonst nie anfassen würdest. Zum Beispiel eine Garten-, Rasen- oder Lokomotivzeitschrift.
Findest du etwas Interessantes, grab tiefer. Achte dabei auf diese Fragen:
Websites: Wie sehen zum Beispiel die Seiten von Gartencentern aus?
Verkauf: Wie läuft der Prozess ab, etwa beim Verkauf einer Tierbestattung?
Werbemittel: Gibt es Flyer, Poster oder Anzeigen? Und wie wirken die?
Gefühl: Passt der Auftritt zu dem, was die Kundschaft gerade braucht?
Je tiefer du gräbst, desto mehr findest du, woran du vorher nie gedacht hast. Das Stöbern kann sogar richtig schön sein. Hol dir einen Kaffee, lauf durch die Stadt und halt die Augen offen. Schau auch bei Büchern: Welche Autor*innen schreiben über ein ganz spezielles Thema?
Warum sind Messe-Seiten der Geheimtipp für neue Kunden?
Auf Messe-Seiten entdeckst du Unternehmen, die du sonst nie kennengelernt hättest. Schau einfach auf die Seiten großer Messen, zum Beispiel in Nürnberg, Köln, Hamburg oder Berlin. Du musst dafür nicht in der Nähe wohnen. Ich bin so auf eine Bergbaumesse gestoßen. Es gibt wirklich Messen rund um Erdreich und Bergbau.
Auch diese Firmen brauchen Werbemittel und Design. Auf Social Media bekommen sie kaum Aufmerksamkeit, anders als Nike oder Adidas. Trotzdem müssen sie neue Partner gewinnen. Frag dich also: Welche Werbemittel haben die? Wie sehen ihre Websites aus? Was brauchen sie eigentlich?
Die Auswahl ist groß. Laut Bilanz des AUMA fanden 2025 in Deutschland 304 Messen mit rund 192.000 Ausstellern statt. So gehst du vor:
Messe-Seiten öffnen: Stöber durch die Veranstaltungen großer Messestandorte.
Branche wählen: Nimm eine Messe, deren Thema dir fremd ist.
Aussteller anschauen: Viele Messen listen ihre Aussteller auf der Website.
Auftritte prüfen: Schau dir Websites und Werbemittel an und such nach den Anzeichen aus der Tabelle oben.
Kurzliste bauen: Notier dir die Firmen, bei denen du konkret helfen kannst.
Wenn du noch nicht weißt, welche Richtung zu dir passt, hilft dir mein kostenloser Nischen Finder. Wie du daraus eine klare Positionierung machst, liest du im Beitrag zur Nische als Freelancer.
Wie sprichst du neue Kunden ohne Kaltakquise an?
Mit einer warmen, entspannten Nachricht statt Kaltakquise. Schreib eine persönliche E-Mail, nicht mit KI, sondern in deinen eigenen Worten. Sag, wer du bist und wie du über deine Recherche auf das Unternehmen gestoßen bist. Dazu kommt ein kurzes Loom-Video, in dem du schon eine grobe Strategie zeigst.
Im Video zeigst du, was dir aufgefallen ist und was die Firma besser machen könnte. Dann schlägst du ein Gespräch vor, weil du ein passendes Konzept liefern könntest. Genervt werden will niemand, egal in welcher Branche. Aber eine gute Absicht kommt bei Menschen anders an.
Die Ansprechperson findest du meist schnell. Schau ins Impressum oder auf die Kontaktseite der Firma. Du kannst auch eine KI bitten, dir über die Messe-Seiten die Entscheider*innen herauszusuchen.
Gib nicht nach der ersten Mail auf. Schick eine Woche später eine kurze Nachfrage. Ist gerade kein Budget da, ist das völlig in Ordnung. Dann meldest du dich in einem halben Jahr wieder.
Wichtig, rechtlich: Werbe-Mails ohne vorherige Einwilligung sind in Deutschland laut § 7 UWG grundsätzlich unzulässig, auch an Unternehmen. Darauf weist zum Beispiel die IHK hin. Ich sage es auch in der Folge: Das ist mindestens eine Grauzone. Informier dich vorher gut und hol dir im Zweifel rechtlichen Rat.
Welcher Kanal grundsätzlich zu dir passt, erkläre ich im Beitrag zur Kundenakquise als Freelancer. Sitzen deine Wunschkunden eher auf LinkedIn, schau dir an, wie das mit LinkedIn ohne Posten klappt.
Für wen lohnt sich dieser Weg besonders?
Vor allem für dich, wenn du gerade erst startest. Hast du noch keine 25 Kunden, ist das ein idealer Weg. In diesen Branchen bekommen die Leute nicht alle fünf Minuten eine Mail oder einen Anruf von Vertriebsleuten, anders als etwa im Agenturbusiness.
Ich bin ganz ehrlich: Nicht jede dieser Branchen hat ein großes Budget. Der Markt für Tierbestattungen ist kleiner als der für Bestattungen von Menschen. Er könnte aber wachsen, wenn das Angebot gefühlvoller und besser gestaltet ist. Und aus einem ersten Auftrag kann eine langfristige Partnerschaft werden.
Häufige Fehler
Nur in der eigenen Bubble scrollen. Instagram und TikTok zeigen dir die Branchen, die ohnehin laut sind. Die spannenden Kunden sitzen woanders.
Nur mit KI recherchieren. KI kann ein Werkzeug sein. Aber ein Prompt findet selten die Probleme, auf die du beim Stöbern in Zeitschriften stößt.
Die Mail von der KI schreiben lassen. Dein Gegenüber merkt, ob du dich wirklich mit seiner Firma beschäftigt hast. Schreib persönlich.
Mit der Tür ins Haus fallen. Bleib entspannt und sympathisch. Ein Gesprächsangebot wirkt besser als ein fertiges Verkaufsangebot.
Nach der ersten Mail aufgeben. Eine freundliche Nachfrage nach einer Woche gehört dazu. Wer nur einmal schreibt, geht im Postfach schnell unter.
Das Rechtliche ignorieren. Unaufgeforderte Werbe-Mails sind in Deutschland problematisch. Kläre vorher, was für dich erlaubt ist.
Häufig gestellte Fragen
Wie finde ich als Freelancer neue Kunden ohne Kaltakquise?
Such dir eine Branche, auf die im Marketing kaum jemand schaut. Firmen findest du über Fachzeitschriften, Bücher und Messe-Seiten. Dann nimmst du persönlich Kontakt auf, zum Beispiel mit einer Mail und einem kurzen Video. Achte dabei auf die rechtlichen Regeln für Werbe-Mails.
Welche Branchen sind für Freelancer*innen unterschätzt?
Beispiele aus der Folge sind die Tierbestattung und der Bergbau. Ähnliche Branchen findest du in Garten-, Rasen- oder Lokomotivzeitschriften und auf Messe-Seiten. Typisch ist: wenig Aufmerksamkeit auf Social Media, aber echter Bedarf an Design und Werbemitteln.
Wie finde ich die richtige Ansprechperson in einer Firma?
Bei kleinen Firmen steht die Geschäftsführung meist im Impressum. Auch die Kontaktseite hilft weiter. Alternativ kannst du eine KI bitten, über Messe-Seiten die Entscheider*innen herauszusuchen.
Was gehört in das Loom-Video?
Zeig eine grobe Strategie: was dir aufgefallen ist und was das Unternehmen besser machen könnte. Schlag danach ein Gespräch vor. Halte es persönlich und schick kein fertiges Angebot.
Darf ich Unternehmen einfach per E-Mail anschreiben?
Werbe-Mails ohne vorherige Einwilligung sind laut § 7 UWG grundsätzlich unzulässig, auch im B2B-Bereich. Informier dich deshalb vorher genau, wie du Kontakt aufnehmen darfst. Im Zweifel hilft eine rechtliche Beratung.
Fazit
Neue Kunden findest du oft dort, wo sonst niemand hinschaut. Zeitschriften, Bücher und Messe-Seiten zeigen dir Branchen mit echtem Bedarf. Eine persönliche Nachricht mit Video öffnet dann die Tür, ganz ohne Kaltakquise. Fang mit einer Branche an und bleib dran.
Die ganze Geschichte von der Reeperbahn bis zur Bergbaumesse hörst du in der Folge auf Spotify. Und wenn du deinen Bedarf nicht allein finden willst, komm in den Freelancer Circle. Dort gibt es die Positionierungs-Challenge mit Workbook, die genau dabei hilft.










